SCHLIESSEN

Auf einen Blick

Suche

Quilmes sagt Danke. Ein wunderbares Ergebnis der Kollekte zur Konfirmation 2019.

Aus Quilmes hat uns der folgende Bericht erreicht.

Hier wird deutlich, wie grundlegend wichtig unsere Hilfe für die Familien in Quilmes ist. Nun aber lesen Sie selbst:

 

 

Kindertagesstätten der evangelischen Gemeinde Quilmes – Porträt einer Frau

Ich heisse Jorgelina und bin 35 Jahre alt, und mein Lebensgefährte Fabián auch.

Wir haben zusammen 6 Kinder: Rocío 15, Florencia 13, Agustina 11, Antonella 8 und die Zwillinge Ivan und Santino werden bald 6 Jahre alt.

Wir wohnen in einem der grössten und ältesten Elendsviertel von Quilmes, der Villa del Monte. Sie liegt in Flussnähe genau neben der Stadtautobahn, die von Buenos Aires nach La Plata führt.

Unsere Hütte ist aus Holz und Blech, nach und nach möchten wir die Holzwände mit Ziegelmauern ersetzen, um besser gegen Einbrüche und herumfliegende Kugeln geschützt zu sein.

Allerdings ist nicht für alle Platz – zum Schlafen gehen Rocío und Florencia abwechselnd zu meiner Mutter, die nur ein paar Hütten weiter wohnt.

Unseren Lebensunterhalt bestreiten wir mit meinem Lohn als Angestellte in einer Reinigungsfirma und mit dem, was Fabian mit Gelegenheitsarbeiten als Maurer oder Maler verdient.

Er ist ein guter Mann, aber er ist drogenabhängig – er versucht, da raus zu kommen, aber das ist schwer...

Mein Lohn ist das einzige feste Einkommen der Familie – und es reicht oft hinten und vorne nicht aus. Kleidung und Schuhwerk für 6 Kinder, Schulmaterial für 4 – und nächstes Jahr kommen die Zwillinge auch in die Schule!

Die Kindertagesstätten der evangelischen Gemeinde kannte ich schon, weil mein jüngerer Bruder Axel als dreimonatiges Baby dort aufgenommen wurde und bis zum Schulbeginn aufgewachsen ist – jetzt ist er 22 Jahre alt.

Alle meine Kinder haben die ersten 5 Jahre ihres Lebens hier verbracht. Dass sie dort 8 Stunden am Tag betreut wurden und 3 Mahlzeiten bekamen, hat es mir erst ermöglicht, eine Arbeit zu finden und ihr regelmäßig nachzugehen.

Im Elendsviertel gibt es außer der eigenen Hütte keinen sicheren Ort für kleine Kinder, sie können da nicht draußen spielen – auch darum sind die täglichen 8 Stunden in der Kita so wichtig: die Kinder können an der frischen Luft spielen, haben Platz um richtig zu toben.

In den Wechselfällen unseres Familienlebens – wenn Fabian mal wieder eine schlechte Phase hat, oder es sonst Probleme gibt – habe ich immer mit den „Seños“ aber auch mit der Köchin und den anderen Mitarbeiterinnen reden können, und sie haben mir immer Mut gemacht.

Die Aktivitäten gemeinsam mit den anderen Frauen sind auch super wichtig. Sich nicht allein zu fühlen, zu wissen, dass andere Ähnliches erleben und sich darüber auszutauschen, das ist unglaublich hilfreich.

Wer zur armen Bevölkerung gehört, wird hier in Argentinien immer von oben herab angesehen und als dumm, faul und unfähig diskriminiert.

Als meine älteste Tochter geboren wurde, war ich knapp 20 – heute weiß ich, wer ich bin und was ich kann - und meine Kinder haben das auch mit den Erzieherinnen gelernt: Dass wir fähig sind, Dinge in Angriff zu nehmen, dass es nichts macht, wenn nicht immer alles so läuft wie geplant, dass man auch mal Fehler machen kann und trotzdem dazu gehören.

Vor zwei Jahren habe ich in einem Abendprogramm meinen Sekundarschulabschluss gemacht, darauf bin ich sehr stolz – das habe ich für mich selbst, aber auch für meine Kinder getan: wir haben alle gelernt, dass es immer mehr Möglichkeiten gibt, als es auf den ersten Blick aussieht und dass wir zu mehr fähig sind, als man uns glauben machen will.

Ende November haben wir die Entlassungsfeier von Ivan und Santino gefeiert. Die Kindertagesstätten haben über 12 Jahre lang zu meinem Alltag gehört und ich weiss, dass ich auch in Zukunft dort einen Platz habe, wo ich mit meinen Sorgen und Freuden gehört werde und willkommen bin. Das gibt mir Mut auch für die neue Phase im Leben meiner Jüngsten.

 

 

Etwas Neues wagen

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

nach 22 Jahren ist für mich die Zeit gekommen, noch einmal etwas Neues zu wagen.

Ich werde meine Pfarrstelle zum 1. April wechseln und künftig dann als Krankenhauspastorin in der Schön Klinik Eilbek tätig sein.

Ich freue mich auf die neue Aufgabe, auch wenn es mir wahrlich nicht leichtfällt, das Vertraute hinter mir zu lassen, das mit so vielen wunderbaren Erinnerungen verbunden ist, liebe Gemeinde.

Ich habe meine Zeit hier in Reinbek-West immer sehr genossen.

Wir haben Nächte der Kirchen und Valentinstagsgottesdienste gefeiert, am Reformationstag der Stimme der Jugendlichen zugehört. Wir haben uns von unseren Freunden aus Mali köstlich bekochen lassen. Wir haben den Filmring zur Kinokirche eingeladen, in der Kirche getafelt und mit Konfirmand*innen übernachtet. Wir haben uns gemeinsam an wunderbarer Musik erfreut. Wir haben uns in Gottesdiensten Gott geöffnet, unser Herz gestärkt, Hoffnung geschöpft und uns gegenseitig zum Singen und Beten angestiftet.

Wir sind eine Gemeinde, die durch ihre Kita-Arbeit weiß, dass die Zukunft den Kindern gehört, eine Gemeinde, in der viele Menschen schon sehr lange mit christlicher Verantwortung in der Welt aktiv sind, eine Gemeinde, die sich um das Abendmahl versammelt und weiß, dass Jesus uns versprochen hat: “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Ich danke Ihnen, liebe Gemeinde, lieber Kirchengemeinderat, für die Unterstützung und für das mir geschenkte Vertrauen – bei Taufen, Konfirmationen, Hochzeitstagen, aber auch auf den schweren Wegen, auf denen ich Ihre und Eure Begleiterin sein durfte.

„Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim. 1,7).

Mit diesem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit haben wir zusammen Gemeinde gestaltet. Dafür danke ich Ihnen und Euch! Meiner Nachfolgerin Pastorin Bente Küster wünsche ich an dieser Stelle alles Gute.

Sie, liebe Gemeinde, werden mit ihr viele neue, schöne und interessante Erfahrungen machen. Da bin ich ganz sicher.

Gott befohlen Ihre und Eure Pastorin Barbara Schöneberg-Bohl