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Die Ahrend - Orgel

Informationen zur Ahrend-Orgel

Ein Orgelschatz in Reinbek

In der Reinbeker Nathan-Söderblom-Kirche steht eine sehr bemerkenswerte Orgel, die sicherlich zu den gelungensten Orgelneubauten der letzten Jahrzehnte gehört. Schon 1966, als die Kirche noch in Planung war, schloss der damalige Kirchenvorstand, der noch für alle Reinbeker Kirchengemeinden zuständig war, mit dem Leerer Orgelbaumeister Jürgen Ahrend einen Vertrag über einen Orgelneubau. Das war bemerkenswert, da der damals noch recht junge Orgelbauer Ahrend sich sehr intensiv mit dem norddeutschen Barockorgelbau beschäftigte und seine neuen Orgeln an diesen historischen Vorbildern ausrichtete. 1966 war die Musikwelt aber noch weit entfernt von dem, was heute unter dem Überbegriff „historische Aufführungspraxis“ bekannt ist und überall musiziert wird. Ebenso war das fundierte, wissenschaftlich abgesicherte Wissen über den historischen Orgelbau damals eher noch in den Kinderschuhen. So war die Entscheidung für Jürgen Ahrend recht mutig. Die neue Kirche sollte die Reinbeker Konzertkirche werden mit einer entsprechenden Spitzenorgel zum Preis von 160.000 DM.

In der alten Reinbeker Kirche, die dann Maria-Magdalenen-Kirche genannt wurde, sollte die marode Marcussenorgel von 1914 ebenfalls ersetzt werden. Hier sollte aber nur ein Instrument für liturgisch-gottesdienstliche Zwecke entstehen. Über die Größe dieses neuen Instruments gab es heftige Auseinandersetzungen, bis man sich dann zu einer neuen einfachen Orgel von 18 Registern zum Preis von 60.000 DM durchrang. Erst 1993 konnte diese Orgel nach Investion von 160.000 DM zu einem guten Instrument umgebaut werden.

Die neugegründete Kirchengemeinde Reinbek-West musste nach Kirchenfertigstellung noch einige Jahre warten, bis dann am Sonntag Lätare, 12.3.1972, die neue Orgel eingeweiht wurde. Seitdem genießen die jeweiligen KirchenmusikerInnen und die Zuhörer eine wunderbare und in ihrer Art einzigartige Orgel.

Die Disposition (Zusammenstellung der Register) entspricht einer typischen norddeutschen Barockorgel, von denen es z.b. in Ostfriesland, also der Heimat von Jürgen Ahrend, noch etliche erhaltene Werke gibt.

Hauptwerk Praestant 8´ Rohrflöte 8´ Oktave 4´ Nasat 2 2/3` Oktave 2´ Mixtur 4fach Trompete 8´ Brustwerk Holzgedackt 8´ Holzflöte 4´ Waldflöte 2´ Oktave 1´ Terzian 2fach Regal 8´ Pedal Subbaß 16´ Oktave 8´ Oktave 4´ Mixtur 3fach Fagott 16´ Trompete ´8´

Die Orgel steht in einer historischen Stimmung, der Werkmeister III-Stimmung. Auch diese Stimmung war 1972 noch recht ungewöhnlich, da damals eigentlich alle Orgelneubauten nach der vom Klavier her bekannten „gleichschwebenden“ Temperatur gestimmt wurden. Alte Orgeln waren aber immer „ungleichschwebend“ gestimmt. Dies führt dazu, dass alle Tonarten eine ganz eigene Klangcharakteristik haben. Einige Tonarten klingen ganz rein, andere etwas schärfer. Dies belebt den Orgelklang ungemein und gehört zur Aufführung aller Orgelmusik bis zum 19. Jahrh. eigentlich unbedingt dazu.

Beim Blick auf die Orgel mit ihrer vielleicht etwas ungewöhnlichen, dem Kirchenraum angepassten roten Farbgebung sieht man oben das Hauptwerk mit dem Praestant 8´ im Prospekt, darunter hinter der Klappe direkt über dem Spieltisch das Brustwerk. Die Pedalregister stehen hinter den Manualwerken in einem Extragehäuse. Dieser Werkaufbau ist zwar nicht typisch norddeutsch, wurde aber vom Kirchenarchitekten mit entwickelt und passt sicherlich besser zum Kirchenraum als ein verschnörkelter norddeutscher Barockprospekt. Erleben Sie doch mal diese hervorragende Orgel bei einem Gottesdienst, einem Konzert oder einem anderen Anlass.

Orgelführungen sind nach Anmeldung jederzeit möglich (Tel.: 040/7228483)